Thomas Bühlmann

Inner Peace Guide

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Wie lerne ich Fühlen

Wie lerne ich Fühlen

Emotionen fühlen – ohne sich mit ihnen zu identifizieren

Die vielleicht grösste Schwierigkeit im Umgang mit Emotionen ist nicht das Fühlen selbst – sondern die tiefsitzende Vorstellung, dass wir unsere Gefühle sind.

Das spiegelt sich schon in unserer Sprache: Wir sagen „Ich bin traurig“, als wäre die Trauer unser Wesen. Doch das würde bedeuten, dass wir immer und ausschliesslich traurig sind – was in der Realität nie zutrifft. Selbst in Momenten tiefster Trauer erleben wir auch andere Gefühle, Gedanken oder Sinneseindrücke.

Ein erster heilsamer Schritt ist deshalb, unsere Sprache zu verändern:
Statt „Ich bin traurig“ zu sagen, probiere „Ich fühle Trauer“.

Dadurch entkoppelst Du Deine Identität vom Gefühl – Du bist nicht das Gefühl, sondern Du erfährst es. Das ist ein subtiler, aber tief transformierender Perspektivwechsel.

Das wahre Selbst – der innerste Zeuge in Dir – beobachtet das Gefühl, ohne mit ihm verschmolzen zu sein.
So beginnt die Reise der Disidentifikation, die letztlich zum Erwachen führt.

 

 

Zwei Wege, Emotionen zu transzendieren

In den Weisheitstraditionen gibt es zwei grundlegend verschiedene Zugänge, um Gefühle tiefer zu erfahren – und darüber hinauszuwachsen:

1. Der tantrische Weg: vollständiges Erleben

Der tantrische Ansatz lädt ein, nicht länger vor dem Gefühl wegzulaufen, sondern es bewusst zuzulassen – als rohe körperliche Empfindung.

Hier gilt: Fühlen statt Interpretieren.
Stell Dir vor, ein Kind nimmt diese Empfindung zum allerersten Mal wahr – ohne Geschichte, ohne Bewertung.

Lass das Gefühl in Deinem Körper präsent sein. Atme hinein.
Mit der Zeit verändert sich die energetische Signatur, und Du erreichst die Stille, die immer darunter liegt.

Breathwork-Erfahrungen folgen oft diesem tantrischen Prinzip – sie bringen uns direkt an die Schwelle roher Lebendigkeit.

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2. Der vedantische Weg: Beobachten aus der Weite

In der vedantischen Sicht nimmst Du Abstand vom Gefühl – nicht durch Vermeidung, sondern durch das Gewahrsein des Beobachters.

Du bleibst in der Rolle des Zeugen und benennst die Empfindung nicht als Gefühl (z. B. „Angst“), sondern beschreibst neutral, was im Körper geschieht:
„Da ist ein Druck im Bauch.“
„Ich spüre ein Vibrieren in der Brust.“
„In der Kehle zieht sich etwas zusammen.“

Ohne Bewertung bleibt der Verstand ruhig – und Du bleibst verbunden mit dem, was Du wirklich bist: das stille Bewusstsein hinter allen Erfahrungen.